Die Ostallgäuer Natur im Überblick

Vielzahl an hochwertigen Biotopen.

Der Landkreis Ostallgäu und die kreisfreie Stadt Kaufbeuren liegen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Im Süden grenzt der Landkreis an das österreichische Bundesland Tirol.
Die Landschaft des Ostallgäus erstreckt sich von den meist flachen Schotterebenen des Lechs südlich von Augsburg über die Schotterriedellandschaft westlich von Kaufbeuren und die eiszeitlich geprägte, hügelige Voralpenlandschaft bis zu den Alpenvorlandseen und den Allgäuer Alpen im Süden. Während die Ortschaft Lamerdingen im Norden auf nur 569 m ü. NN liegt, ist der höchste Punkt auf der Hochplatte mit 2.082 m ü. NN zu finden. Aufgrund der reichhaltigen naturräumlichen Ausstattung, der abwechslungsreichen Topographie, der unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse sowie der Nutzungsgeschichte beherbergt das Arbeitsgebiet des Landschaftspflegeverbandes Ostallgäu eine große Vielzahl an hochwertigen Biotopen und entsprechend auch einen großen Reichtum an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.

Klima

Im Ostallgäu herrscht atlantisch-kontinentales Klima vor. Die Winde kommen überwiegend aus westlicher bis südwestlicher Richtung. Eine Besonderheit ist der Föhn, ein warmer, trockener Fallwind aus südlicher Richtung, der im Ostallgäu an rund 70 Tagen das Wetter beeinflusst.
Bei den Niederschlägen gibt es einen deutlichen Gradienten von Nord nach Süd. Während die jährliche Niederschlagsmenge im Norden bei Buchloe unter 1.000 mm beträgt, erreicht sie im Süden bis zu 1.700 mm in den Tallagen, im Gebirge noch etwas mehr. Oft sorgt die Stauwirkung der Alpen dafür, dass die hereinziehenden Wolken sich hier abregnen. Der niederschlagsreichste Monat ist der Juli, Sommergewitter sind häufig. Schnee hat im langjährigen Durchschnitt einen beachtlichen Anteil am Niederschlag, durchschnittlich schneit es an 50 – 60 Tagen im Jahr.

Gewässer

Die beiden wichtigsten Fließgewässer des Ostallgäus sind Lech und Wertach. Durch den Landkreis fließen außerdem noch die Singold, die Kirnach, die Gennach, die Günz und die Mindel. Daneben gibt es im Ostallgäu zahlreiche Quellaustritte und ein weit verzweigtes Fließgewässersystem.
Der in Vorarlberg entspringende Lech ist auf bayrischer Seite stark mit Staustufen verbaut. Größter Lech-Stausee und zugleich größter See des Ostallgäus ist der 1954 errichtete Forggensee, der mit einer Wasserfläche von 1.750 ha der größte Stausee und viertgrößte See Bayerns ist. Auch weitere größere Stillgewässer konzentrieren sich im Süden, dabei fällt besonders die Füssener Seenplatte mit Bannwaldsee, Hopfensee, Weißensee, Alpsee und Schwansee auf. Diese Seen sind während der Eiszeiten durch die Arbeit der Gletscher entstanden, die größere Mulden ausschürften, die sich nach dem Abschmelzen dann mit Wasser füllten.

Moore

Die Moore im Ostallgäu zählen zu den wichtigsten Moorlandschaften in Mitteleuropa. Das Allgäuer Klima mit den vergleichsweise hohen Niederschlägen bietet optimale Voraussetzungen für die Moorentwicklung. Auch die zahlreichen von den Gletschern vor über 12.000 Jahren ausgeschürften Becken spielen dabei eine wichtige Rolle, weil durch die Verlandung der hier entstandenen Seen Nieder- oder Verlandungsmoore entstanden, aus denen sich teils Hochmoore entwickelten. Eine Besonderheit im Alpenvorland sind die gemeinschaftlich genutzten Allmend-Moorweiden, die seit dem Mittelalter existieren und teils heute noch genutzt werden. In fast allen großen Mooren des Ostallgäus wurde Torf gewonnen, der schon zur Römerzeit als Brennmaterial verwendet wurde.

Landnutzung

Steinzeitliche Funde belegen eine erste Besiedlung des Ostallgäus vor ca. 10.000 Jahren. Die ersten befestigten Siedlungen stammen aus der jüngeren Eisenzeit ab 500 v.Chr. Ab 15 n.Chr. war das Ostallgäu ca. 400 Jahre von den Römern besiedelt. Später kamen nacheinander Alemannen, Ostgoten und Franken ins Ostallgäu.
Die Grünlandnutzung dominiert deutlich, Dauergrünland macht über 85 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Ostallgäu (inklusive des Stadtgebiets von Kaufbeuren) aus. Aufgrund der ungünstigeren Standortsverhältnisse wird sie im Süden extensiver betrieben, außerdem hat im Süden die Milchwirtschaft ihren Schwerpunkt. Auf die Ostallgäuer Alpweiden wird heute fast nur noch Jungvieh aufgetrieben. Auf ackerfähigen Standorten, die sich vor allem im nördlichen Landkreis finden, dominiert der Maisanbau.
Der Waldanteil liegt im Ostallgäu (inklusive des Stadtgebiets von Kaufbeuren) mit 31 % unter dem bayerischen Durchschnitt von knapp 37 %, besonders gering ist der Waldanteil im Flachland. In den letzten 200 Jahren wurde die Fichte zur Hauptbaumart; gleichaltrige Fichtenbestände sind weit verbreitet.

Biotope und Schutzgebiete

Die Naturausstattung des Landkreises Ostallgäu liegt weit über dem bayerischen Durchschnitt. In der amtlichen Biotopkartierung sind 2.435 Biotope mit insgesamt 7.800 Teilflächen erfasst, zusammen machen sie 8,72 % der Landkreisfläche aus. Einen hohen Anteil machen dabei die Biotope im Alpenbereich aus, wo 27 % der Fläche als Biotop kartiert wurden. Im Stadtgebiet von Kaufbeuren finden sich weitere 298 Biotope, die 9,95 % des Stadtgebiets einnehmen.
Den größten Flächenanteil von fast 40 % machen im Ostallgäu die Feuchtlebensräume aus, dabei handelt es sich meistens um verschiedene Moortypen und Streuwiesen mit ca. 28 % der gesamten Biotopfläche. Am zweithäufigsten sind die alpinen Lebensraumtypen mit fast einem Viertel der Biotopflächen. Trockenlebensräume wie z.B. Magerrasen und artenreiches Extensivgrünland finden sich auf über 13 % der gesamten kartierten Biotopflächen.

Im Landkreis Ostallgäu und in der kreisfreien Stadt Kaufbeuren liegen insgesamt 6 Naturschutzgebiete und 18 Landschaftsschutzgebiete. Das Ammergebirge, an dem der Landkreis Ostallgäu einen Anteil von etwa 30 % hat, ist das größte Naturschutzgebiet Bayerns.

Die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) und die europäischen Vogelschutzgebiete (SPA-Gebiete) bilden gemeinsam das Netz „NATURA 2000“. Diese Gebiete wurden ausgewiesen, um das europäische Naturerbe zu sichern, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Natura 2000-Gebiete (unter Berücksichtigung von Flächenüberlagerungen von FFH- und SPA-Gebieten) nehmen im Landkreis Ostallgäu 19.775 ha und damit 14,2 % der Landkreisfläche ein, was ebenfalls überdurchschnittlich ist. In der Stadt Kaufbeuren sind es 86 ha und damit 2,1 % des Stadtgebietes.

Quellen:
Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Ostallgäu (2019): schriftliche Mitteilungen
Umweltamt der Stadt Kaufbeuren (2020): schriftliche Mitteilung
ABSP-Band Ostallgäu (Stand: Februar 2005)
AELF Kaufbeuren (2020): Website www.aelf-kf.bayern.de
Bayerischer Klimaforschungsbund (1996): Klima-Atlas von Bayern
Landkreis Ostallgäu (2020): Website www.ostallgaeu.de